BEZIEHUNGSKULTUR LEBENEmotionen entstehen durch Beziehungen.

Werte die uns wichtig sind

Geschrieben am 2. April 2017 um 22:00

Die folgenden Vereinswerte haben wir in einem Prozess von 14 Monaten zusammengetragen, formuliert, diskutiert und bestätigt. Diese Werte verstehen sich als eine Wegmarke unserer Entwicklung. Auch sie sind weiter zu entwickeln.

Für mich – und miteinander. Beziehungskultur leben

Werte, Selbstverständnis und Umgangsformen des Vereins Psychotherapie als Lebensweg e.V.

Zuvor
Uns war wichtig, einmal schriftlich niederzulegen, was in unserem Verein an Regeln, Normen und Werten gelten soll. Wir schöpfen dabei aus den über die Jahre gemachten Erfahrungen aus unseren Therapien und aus dem Vereinsleben. Diese hier formulierten Werte verstehen sich als ein Meilenstein, an dem man ablesen kann, wo wir uns befinden und in welche Richtung wir weiter gehen. Sicher werden sie auf diesem Wege fortgeschrieben werden müssen. Beziehungskultur ist ein Prozess, kein Dogma.

1. In Eigenverantwortung für Beziehungskultur
Unseren Verein trägt eine Kultur von Beziehung und Bezogensein, die das Ich-Sein und das Miteinander-Sein fördern möchte. Diese Beziehungskultur zu üben, zu leben und zu entwickeln ist uns ein wesentliches Anliegen. Wir anerkennen dabei die Verschiedenartigkeit und die Grenzen unserer eigenen Beziehungsfähigkeiten und der anderer Vereinsmitglieder. Wir übernehmen in diesem Sinne die eigene Verantwortung.

2. Eine Arbeits-Gemeinschaft, keine Therapiegruppe
Unser Verein organisiert therapeutische Angebote und unterstützt Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeprojekte auf unterschiedlichste Art und Weise. Wir verwenden spezielle Arbeitsweisen und Regeln von Therapie- und Selbsthilfegruppen wie z.B. Befindlichkeitsrunden und Formen, die emotionalen und kreativen Ausdruck fördern (Malen und Gestalten, Musik, Tanz und Bewegung). Wir sind jedoch als Verein keine Therapie- oder Selbsthilfegruppe, sondern eine Arbeits-Gemeinschaft an einer guten und besseren Beziehungskultur für uns und in dieser Gesellschaft.

3. Grundlegende Erfahrungen und psychotherapeutisches Selbstverständnis
Wir anerkennen: Die so genannten Frühstörungen der Beziehungen zwischen frühen Bezugspersonen (Eltern) und Kind sind prägend für viele aktuelle Leiden, Behinderungen und Beziehungsstörungen. Diese Muster sind immer wieder aufzudecken, sie können als Trauer, Wut und Enttäuschung geerdet werden („Mattenarbeit“) und so entsteht Raum für neue Erfahrungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Ein gutes Geländer für diese Gefühlsarbeit ist zusammengefasst in dem Vierschritt Wahrnehmen – Aktivieren – Gefühlsausdruck – Integrieren. Progressiv können dann neue Erfahrungen geübt werden. Entwicklung verstehen wir als einen zyklischen Prozess, nichts ist ein für allemal „bewältigt“, neue Schritte haben ihren Preis, bessere Beziehungserfahrungen ziehen auch Schatten nach sich. Wir wissen um und achten auf die Widerstände und Begrenzungen, aber wollen auch zum Ausprobieren neuer Verhaltensweisen ermutigen. Gelebte Lust, Beziehung und Freiheit bedeuten eine bessere Lebensqualität (Glück), auch wenn die Kluft zwischen Therapieerlebnis und Alltagsrealität (familiäre, berufliche und gesellschaftliche Zwänge und Spielregeln) schwer auflösbar ist. Strukturierung ermöglicht Klarheit, Klarheit äußert sich in einer guten Struktur, beide sind die Basis guten Arbeitens und geben Halt.

4. Formen und Grundsätze unseres Umgangs
Ich rede von mir und bleibe bei mir.
Ich bin offen, ehrlich, direkt, engagiert, positioniert, verbindlich.
Ich bin nicht allein mit dem, was ich erlebt habe und erlebe.
Ich kann Hilfe suchen und mein Erlebtes und Gefühltes (mit)teilen.
Ich bin progressiv, zeige mich und traue mich.
Ich nehme mich wahr, ich lasse mich ein, ich achte auf meine Grenzen.
Ich respektiere meine Andersartigkeit und Begrenztheit – und die der Anderen.
Ich übernehme die Verantwortung für mich und mein Handeln.
Ich nehme Störungen wahr und spreche sie an.
Ich bleibe dran.
Ich lebe Eigenständigkeit in Bezogenheit.
Ich fühle mich dem „Höheren Prinzip“ der Beziehungskultur verpflichtet.

5. Beziehungskultur: ein „Höheres Prinzip“
Sinnstiftend wirkt in unserer Gemeinschaft die beschriebene Beziehungs- und Bindungsqualität. Diese Qualität kann sich herstellen, wenn wir in lebendiger Verbundenheit miteinander zusammen kommen: jeder für sich und in solidarischer Gemeinschaft, mit Klarheit von Geist, Herz und Geschlecht, in der Lebenslust, die sich im Miteinander potenziert und in der Begrenzung. Wir können hier an die gruppentherapeutischen Erfahrungen vieler Mitglieder anschließen. Man kann diese Qualität durchaus als ein „Höheres Gut“ oder „Prinzip“ bezeichnen. Es entsteht fühlbar, wenn Menschen mit ausreichend Zeit in einem geschützten Raum und mit guten Willen zu ehrlichen Begegnungen zusammen kommen, und es findet seinen Ausdruck als positive „Gruppenenergie“, als gemeinsames „Kraftfeld“ bzw. als „Weisheit“ der Gruppe.

6. Wurzeln
Unser Selbstverständnis gründet wesentlich in der Arbeit von Dr. Hans-Joachim Maaz, dem langjährigen Chefarzt der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik im Diakoniewerk Halle. Er hat dieses „Höhere Prinzip“ der Gruppe auf eindrückliche Weise durch seine Arbeit immer wieder ins Leben gebracht und dafür vielfältige Möglichkeiten zur Entwicklung geschaffen. Er ist für uns deshalb ein wegweisender Therapeut, Lehrer, Mentor und kritischer Begleiter. Ohne seine Arbeit wäre der bisherige Weg des Vereins so nicht möglich gewesen.

7. Der Gruppenkreis als Symbol
Als Symbol unserer Gemeinschaft kann der Gemeinschaftskreis bzw. die Gruppenrunde in allen ihren Erscheinungsformen gelten. Die Gruppe potenziert die Gaben und Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder, sie ist immer mehr als der Einzelne. Sie kann deshalb in der beschriebenen Beziehungsqualität immer mal wieder die Form der „genügend guten Eltern und Familie“ haben (nach M. L. Moeller), sie kann mütterlich halten, annehmen, bestätigen und väterlich begrenzen, ermutigen, auffordern. Unser Motto lautet dementsprechend: Für mich – und miteinander!